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Papst Franziskus in Chile und Peru

30.01.2018 - Artikel
Papst Franziskus besucht Chile
Papst Franziskus besucht Chile© dpa


Mitte Januar brach Papst Franziskus zu einer einwöchigen Lateinamerika-Reise auf, die ihn zuerst nach Chile (15.-18. Januar 2018) und im Anschluss nach Peru (18.-21. Januar 2018) führte. Der letzte Besuch eines Papstes in die Region war 1987 durch Papst Johannes Paul II. 1987/1988 erfolgt.

Konflikt mit Indigenen in Chile

Der Besuch war nicht frei von Emotionen: Vor der Ankunft des Papstes in Chile hatte es in der Hauptstadt Santiago de Chile mehrere Brandanschläge auf katholische Kirchen gegeben. Teile der Mapuche bezichtigen die katholische Kirche der Mitverantwortung für die Enteignung der Mapuche zu Kolonialzeiten. Bei den Mapuche handelt es sich um ein indigenes Volk, das die Rückgabe ehemaligen Mapuche-Landes fordert und sich für die Anerkennung der indigenen Bevölkerung in der chilenischen Verfassung einsetzt. Ein Bekennerschreiben legt nahe, dass die Anschläge in Zusammenhang mit dem Mapuche-Konflikt stehen.

Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und der Einsatz von rund 18.000 Polizisten sorgten dafür, dass der Besuch des Papstes in Chile trotz der angespannten innenpolitischen Lage ohne Zwischenfälle verlaufen konnte.

Missbrauch durch Geistliche

Verglichen mit anderen lateinamerikanischen Ländern ist der Anteil der Katholiken in der chilenischen Bevölkerung mit 44% relativ niedrig. Weite Teile der chilenischen Bevölkerung stehen der Kirche nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen durch Geistliche kritisch gegenüber. Zwar setzt sich Papst Franziskus seit Beginn seines Pontifikats für die Aufklärung dieser Missbrauchsfälle ein. Immer noch wird aber den chilenischen Bischöfen vorgeworfen, nicht genug zur Aufklärung beizutragen.

Erste Station: Santiago de Chile

Am 15. Januar traf Franziskus abends am Flughafen in Santiago de Chile ein, wo er von der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet empfangen wurde. Anschließend betete er am Grab des 1982 verstorbenen Weihbischofs Enrique Alvear Urrutia, der den Spitznamen „Bischof der Armen“ trägt und wie Papst Franziskus Jesuit war. Bei der Fahrt durch die Stadt jubelten Tausende von Menschen dem Papst zu.

Papst lobt demokratisches Chile

Am Folgetag wendete sich Papst Franziskus im Präsidentenpalast Chiles mit einer Ansprache an Vertreter aus Staat und Gesellschaft. Dabei lobte er vor allem die demokratische Entwicklung, die Chile in den vergangenen Jahren durchlebt habe. Zugleich forderte er künftige Generationen dazu auf, sich nicht mit dem Erreichten zufrieden zu geben, sondern nach höheren Zielen zu streben. Um die Zukunft zu gestalten, müsse man Arbeitslosen, Migranten, alten Menschen und Kindern zuhören. Daneben hob der Papst die Rechte der indigenen Bevölkerung hervor.

Missbrauchsfälle in Chile

Bereits in dieser ersten Rede ging Papst Franziskus auf die Missbrauchsfälle in Chile ein. Er wolle „den Schmerz und die Scham zum Ausdruck bringen“, die er auf Grund des Schadens empfinde, der Kindern von Geistlichen zugefügt worden sei. Dann bat er um Verzeihung und kündigte an, die Opfer sexueller Gewalt zu unterstützen und sich dafür einzusetzen, dass sich derartige Missbrauchsfälle nicht wiederholten. Der Papst traf zudem in privatem Rahmen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine kleine Gruppe von Missbrauchsopfern.

Besuch eines Frauengefängnisses

Zum ersten von Papst Franziskus gefeierten Gottesdienst in Chile im Parque O’Higgins in Santiago kamen mehr als 400.000 Besucher. Der Papst blickte in seiner Predigt in die Zukunft und forderte dazu auf, sich für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit einzusetzen. Im Anschluss an den Gottesdienst besuchte der Papst ein Frauengefängnis in Santiago de Chile, das für rund 850 Insassen geplant wurde, in dem aber teilweise über 1.400 Frauen untergebracht sind. Im Gespräch mit den Frauen betonte der Papst, dass die diese zwar ihrer Freiheit beraubt worden seien, nicht aber ihrer Würde. Er ermutigte die Frauen, positiv in die Zukunft zu schauen und an ihrer Resozialisierung zu arbeiten. Dabei kritisierte der Papst, dass nicht genügend Mittel zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft zur Verfügung gestellt würden.

Unterstützung für die Mapuche

Am 17. Januar reiste Papst Franziskus ins südchilenische Temuco, Hauptstadt der Region Aurakanien und Hauptsiedlungsgebiet der Mapuche. Dort feierte er einen Gottesdienst, an dem etwa 200.000 Menschen teilnahmen. Der Papst wandte sich auf Mapudungum, der Sprache der Mapuche, an die Menschen, er band traditionelle Rituale der Mapuche in die Messe ein und er stellte sich hinter die Forderungen der Mapuche. So befürwortete er etwa die Rückgabe von Land an die Mapuche. Zugleich kritisierte er die Brandanschläge der vergangenen Tage und Monate und forderte beide Seiten dazu auf, auf friedliche Weise eine Lösung für den Konflikt zu finden.

Schicksal der Migranten

Am letzten Tag seiner Chile-Reise feierte Papst Franziskus in Iquique im Norden Chiles einen weiteren Gottesdienst. Hier ging er vor allem auf die Themen Einwanderung und Migration ein, da in Iquique viele Migranten aus allen lateinamerikanischen Ländern leben, die sich dort ein besseres Leben erhoffen. So forderte Franziskus die Menschen in seiner Predigt dazu auf, „sich von den Werten, der Weisheit und dem Glauben, die die Migranten mitbringen, erfüllen zu lassen“. Außerdem machte der Papst auf die ungerechte Behandlung, die prekäre soziale Lage und die Ausbeutung von Einwanderern aufmerksam.

Trauung an Bord des Flugzeugs

Zu einem eher untypischen Ereignis war es an Bord des Flugzeugs gekommen, mit dem Papst Franziskus nach Iquique geflogen war. Denn Papst Franziskus traute spontan zwei Besatzungsmitglieder des Flugzeugs, die zwar seit acht Jahren zivilrechtlich, aber noch nicht kirchlich verheiratet waren. Die beiden Besatzungsmitglieder erzählten dem Papst, dass die kirchliche Hochzeit schon geplant war, die Kirche aber durch ein Erdbeben zerstört wurde. Papst Franziskus fragte die beiden sodann: „Wollt ihr heiraten? Dann machen wir das jetzt.“

Reise nach Peru

Die zweite Station der Lateinamerika-Reise führte den Papst nach Peru. Dort besuchte Papst Franziskus zunächst die Stadt Puerto Maldonado im Amazonas-Gebiet, wo er mit Vertretern der autochthonen Völker zusammenkam, denen er Ausgaben seiner 2015 erschienenen Enzyklika „Laudato Si'“ mitbrachte, die zuvor in die Sprachen der indigenen Völker übersetzt wurden. Insgesamt leben etwa 330.000 Indigene aus 22 verschiedenen indigenen Völkern in Perus Amazonasgebiet. Die Vertreter der indigenen Bevölkerung berichteten Franziskus von der Zerstörung ihres Lebensraumes, von illegalem Abbau von Rohstoffen, von Armut und Vertreibung.

Warnung vor Umweltverschmutzung

Der Papst sprach sich gegen die Zerstörung der Natur und für eine nachhaltige Lebensweise aus und brachte seine Wertschätzung gegenüber den verschiedenen Völkern zum Ausdruck: „Wir, die wir nicht in diesen Gebieten leben, brauchen eure Weisheit und euer Wissen“. Ausdrücklich warnte er vor „großen ökonomischen Interessen, die ihre Gier auf Gas, Erdöl, Holz und Gold“ in der Region richteten und forderte dazu auf, gemeinsam mit den Bewohnern der Amazonas-Region nach Lösungen zu suchen. Das Roden von Wäldern, die Verschmutzung der Flüsse, Menschenhandel und Ausbeutung bezeichnete Franziskus als „Verwüstungen des Lebens“.

Später machte Papst Franziskus darauf aufmerksam, dass Frauen häufig Opfer von Gewalt seien und rief die Gesellschaften dazu auf, Frauen vor (sexueller) Gewalt zu schützen.

Bei einer Rede vor Vertretern aus Staat und Gesellschaft setzte sich Franziskus für eine „ganzheitliche Ökologie“ ein und sprach sich dafür aus, den Menschen vor Ort zuzuhören und sie in die Lösung von Konflikten einzubinden.

Humor als Heilmittel

Nach einem Gebet in der Kathedrale von Lima und einer Eucharistiefeier auf dem Militärstützpunkt Las Palmas am Abend des 21. Januar 2018 trat Papst Franziskus den Rücklug nach Rom an. Eine Begegnung mit Ordensleuten und Priestern in Trujillo hatte Papst Franziskus zuvor genutzt, um einen Rat zu erteilen: „Brüder und Schwestern, lacht in der Gemeinschaft, und nicht über die anderen!“

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