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28 Jahre, 2 Monate, 7 Tage: mit Mauer und ohne Mauer!

05.02.2018 - Artikel

Heute, am 5. Februar 2018, steht die Berliner Mauer genauso lange nicht mehr, wie sie einst gestanden hat. Was das alles mit dem Vatikan zu tun hat, erfahren Sie in unserem heutigen News-Artikel.

Ein Stück der Berliner Mauer im Vatikan
Ein Stück der Berliner Mauer im Vatikan© dpa

Heute, am 5. Februar 2018, steht die Berliner Mauer genauso lange nicht mehr, wie sie einst gestanden hat. Vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 teilte die Mauer Berlin in Ost und West – für exakt 28 Jahre, zwei Monate und 27 Tage. Und genauso lange liegt heute der Mauerfall zurück.

Schabowskis folgenreiche Worte

Ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegangen ist eine Szene vom 9. November 1989. Damals sprach Günther Schabowski, SED-Politbüromitglied, während einer Pressekonferenz die berühmten Worte: „Das trifft nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich…“. Zuvor hatte ihn ein Reporter gefragt, ab wann die neuen Reiseregeln für Bürger der DDR in Kraft träten, wonach diese zukünftig einfacher ins Ausland reisen könnten. Sogleich strömten Tausende Berliner zu den Grenzübergängen und verlangten deren sofortige Öffnung. Der Rest ist Geschichte.

138 Mauertote

Noch im Juni 1961 hatte Walter Ulbricht, DDR-Staatsratsvorsitzender, gesagt, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten. Nur kurze Zeit später begannen jedoch die Vorbereitungen für den Bau eines „antifaschistischen Schutzwalls“, um die DDR-Bürger daran zu hindern, in den Berliner Westen auszureisen. Rund 170 Kilometer war die Berliner Mauer lang, mindestens 138 Menschen wurden bei der Flucht in nach West-Berlin getötet.

Ein „verhasstes Bauwerk“

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Berliner Mauer anlässlich des 25. Mauerfall-Jubiläums 2014 als „verhasstes Bauwerk“ und brachte ihr Verständnis dafür zum Ausdruck, dass die Menschen schon in der Nacht des 9. Novembers 1989 damit begannen, die Mauer in ihre Einzelteile zu zerlegen. Heute sind die Überreste der Berliner Mauer ein beliebtes Besuchsziel von Touristen und zugleich Gedenkstätte. Sie erinnern an das geteilte Deutschland und sind Zeichen der Freude und der Verantwortung.

Die Rolle des Papstes

Der Einsatz von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte großen Anteil an den Ereignissen, die schließlich zum Fall der Berliner Mauer führten. Schon als Kardinal hatte sich Karol Wojtyla engagiert für die deutsch-polnische Aussöhnung eingesetzt. Als Papst stärkte er die katholische Kirche in Polen und setzte sich auf den Reisen in sein Heimatland für die die Demokratisierung Polens und die Wahrung der Menschenrechte ein. Der Historiker Lech Walesa, ehemaliger Anführer der oppositionellen Gewerkschaft Solidarnosc, und Michail Gorbatschow sind sich heute einig, dass der Fall des Eisernen Vorhangs ohne die Beharrlichkeit von Papst Johannes Paul II. nicht möglich gewesen wäre.

Die Berliner Mauer im Vatikan

Wussten Sie, dass selbst im Vatikan ein Teil der Berliner Mauer zu finden ist? Seit 1995 steht ein Teilstück der Berliner Mauer in den Vatikanischen Gärten. Es wurde 1990 vom italienischen Geschäftsmann Marco Piccininni ersteigert; später schenkt er es Papst Johannes Paul II. Dieses Mauer-Stück teilte einst die katholische Gemeinde Sankt Michael in Berlin-Mitte. Während die Kirche der Gemeinde im Osten Berlins stand, lebte ein großer Teil der Gemeinde im Berliner Westen. 1986 malte der aus dem Iran stammende Künstler Yadegar Asisi einen Teil der Michaels-Kirche auf dieses Stück der Mauer, sodass auf der westlichen Seite Berlins die Illusion entstand, dass der Zugang zur Kirche möglich wäre.

Warteschlange vor den vatikanischen Museen
Mauer des Vatikans© dpa

Vatikanische Mauern

Doch auch die Päpste selbst bauten Mauern. Das Staatsgebiet des Vatikans war lange Zeit vollständig mit wehrfähigen, nur schwer zu überwindenden Mauern abgeriegelt. Wer als Tourist den Vatikan besuchen möchte, der muss zwei Mauern überwinden. Zum einen die aurelianische Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., die Kaiser Aurelian erbauen ließ. Diese Mauer blieb über Jahrhunderte intakt und fiel erst 1870, als italienische Revolutionäre sie eroberten, weshalb sie heute vielerorts durchlöchert ist. Zusätzlich ließ Papst Leo IV. in der Mitte des 9. Jahrhunderts um den Vatikan herum die leoninische Mauer errichten, um den Vatikan vor Angriffen der Sarazenen und anderer Feinde zu schützen. Überreste samt päpstlichen Wappen lassen sich heute beispielsweise noch in den Vatikanischen Gärten betrachten. Später wurden zum Schutz vor Kanonen jene Bastionsmauern hinzugefügt, die man heute als Besucher der Vatikanischen Museen umrunden muss und die die Staatsgrenzen des Vatikans definieren.

Schwester vor Vatikanischer Mauer
Schwester vor Vatikanischer Mauer© dpa

 

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