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Jüdische Kultur und europäisches Ethos - Prof. Dan Diner hält Humboldt-Lecture 2018

27.04.2018 - Artikel
Botschafterin Schavan mit Prof. Diner
Botschafterin Schavan mit Prof. Diner© Deutsche Botschaft Hl. Stuhl

Prof. Dan Diner hat am 26. April 2018 die diesjährige Humbold-Lecture 2018 zum Thema "Ein Europäisches Projekt - Über die Bedeutung der jüdischen Kultur als Grundlage für ein Ethos Europas" gehalten.  

Die Humboldt-Lecture ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Deutschen Botschaft beim Hl. Stuhl und der Päpstlichen Universität Gregoriana und erinnert an Wilhelm von Humboldt, der von 1802-1808 Gesandter Preußens beim Heiligen Stuhl war und dessen Verständnis von Bildung weltweite Anerkennung gefunden hat.

Prof. Dan Diner, Professor an der Hebrew University of Jerusalem sowie em. Professor am Historischen Seminar der Universität Leipzig, ist Herausgeber der Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur. Es verwundert daher nicht, dass er diese Enzyklopädie in das Zentrum seines Vortrags stellte. Prof. Diner zeigte auf, wie die jüdische Geschichte bei Betrachtung des Zeitraums von 1750-1950 von beiden Enden dieses Zeitfadens zugleich begriffen werden muss: am einen Ende der Beginn der Emanzipation und am anderen Ende der Holocaust. Die Enzyklopädie vermeidet dabei Begriffe wie Identität oder auch sämtliche -Ismen. Stattdessen wird anhand von Schlüsselbegriffen und -orten wie Verschwörung, Staatsräson, Prag oder auch Babi Jar der Reichtum der jüdischen Kultur aufgezeigt. Die Aufdeckungen der vielfältigen Verstrebungen führte dem Publikum vor Augen, wie vielfältig die Verflechtungen und wie mannigfaltig die Interpretationen der jüdischen Kultur sein können.

Prof Diner Humboldt Lecture 2018
Prof Diner Humboldt Lecture 2018© Deutsche Botschaft Hl. Stuhl

Botschafterin Schavan hob in ihrer Ansprache hervor, wie wichtig gerade in den heutigen Tagen die Besinnung an die deutsch-israelische Freundschaft und das Erinnern an die jüdische Geschichte und Kultur sei. Während in Berlin mit Aktionen wie "Berlin trägt Kippa" ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt werde, gratuliere die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland mit einem Festvortrag eines der renommiertesten Wissenschaftler über die jüdische Kultur zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel. Denn seit Beginn der deutsch-israelischen Beziehungen war es die Wissenschaft, die die bilateralen Beziehungen vorangebracht hat und von Beginn an als Brücke zwischen den beiden Gesellschaften gewirkt hat.

Der Botschafter von Israel beim Hl. Stuhl, Oren David, griff in seinen Schlussworten des Abends die gegenwärtige Zunahme an Antisemitismus auf und bedankte sich für den Vortrag von Prof. Dan Diner. Der Vortrag habe einmal mehr gezeigt, so David, wie reich die jüdische Kultur sei. Gleichzeitig habe Prof. Diner darauf hingewiesen, wie prägend die leidvolle Geschichte des jüdischen Volkes in den vergangenen Jahrhunderten war. Ein wichtiger Vortrag zum richtigen Zeitpunkt!

Begrüßung Botschafterin Schavan Humboldt-Lecture Prof. Diner
Begrüßung Botschafterin Schavan Humboldt-Lecture Prof. Diner© Deutsche Botschaft Hl. Stuhl